1.08.2019, Hessen, Eschborn: Teilnehmer an einem Fahrsicherheitstraining für Elektro-Tretroller stehen auf einem Verkehrsübungsplatz beisammen. Einer der E-Scooter-Anbieter in Frankfurt/Main hatte zu einer Übungseinheit eingeladen.
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E-Scooter sind überall – es gibt sogar Fahrsicherheitstrainings für sie, wie auf diesem Archivbild zu sehen ist. In Frankfurt stehen und liegen sie aber oft im Weg.

Rücksichtlos abgestellt

Beschwerden über E-Scooter: Frankfurt will Beschränkungen erlassen

  • vonSebastian Richter
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Seit Juni 2019 sind sie in Frankfurt unterwegs: E-Scooter. Sie sind eine praktische Alternative zum ÖPNV. Aber sie machen auch viele Probleme.

  • E-Scooter haben Frankfurts Straßen erobert und sind inzwischen überall.
  • Vor allem zu den Hauptverkehrszeiten sind die elektrischen Roller in Frankfurt unterwegs.
  • Allerdings gibt es auch immer mehr Beschwerden über rücksichtslos abgestellte oder einfach hingeworfene E-Scootern.

Frankfurt – Im noch jungen und hart umkämpften Markt verleihen momentan vier Firmen E-Scooter in Frankfurt: die Unternehmen aus Berlin Tier Mobility und Wind sowie die US-Firmen Bird und Lime. Die orangefarbenen Roller-Modelle der Firma Circ sind bereits aus dem Stadtbild verschwunden, das Start-up aus Berlin wurde von Bird aufgekauft.

E-Scooter in Frankfurt: Wie viele es genau sind, lässt sich nicht sagen

Die Anzahl der E-Roller in Frankfurt lässt sich nicht genau beziffern: Einige der Firmen machen aus Wettbewerbsgründen keine exakten Angaben dazu, wie viele der Flitzer auf Frankfurts Straßen unterwegs sind. Einige tausend sind es aber mit Sicherheit. Und das, obwohl das Ausleihen der E-Scooter immer noch relativ teuer ist.

Laut dem Pressesprecher von Tier Mobility werden die E-Scooter hauptsächlich während Pendleruhrzeiten morgens und abends oder in den Mittagspausen gefahren. Der Kundenstamm sei breit gefächert und könne keiner Alters- oder Berufsgruppe zugeordnet werden. Auch zu den Nutzerzahlen gibt es keine konkreten Angaben. Nach Angaben der Verleiher dauern die Fahrten mit E-Scootern durchschnittlich zwischen 10 und 15 Minuten, etwa 2,5 Kilometer werden dabei zurückgelegt.

Beschwerden über E-Scooter in Frankfurt: Stadt will gegen Roller eingreifen

Die Hersteller werben damit, dass ihre Roller klimaneutral sind. Das klingt zunächst nach einer guten Sache für den Klimaschutz, allerdings zeigt eine Studie der Strategieberatung Nunatak, dass die meisten Nutzer der Roller stattdessen mit dem Öffentlichen Nahverkehr (64,5 Prozent) oder zu Fuß (49,1 Prozent) an ihr Ziel gekommen wären. Nur 21 Prozent der Befragten gaben an, dass sie mit ihren privaten Auto gefahren wären, wenn es die E-Scooter nicht gäbe.

In Frankfurt gehen viele Beschwerden über rücksichtslos abgestellte Fahrzeuge ein. Die Stadt denkt jetzt über Beschränkungen für E-Scooter nach und wünscht sich, regelnd eingreifen zu können. „Eine Rechtsgrundlage dafür gibt es allerdings leider nicht. Hier ist der Bundesgesetzgeber gefordert“, sagte ein Sprecher des Frankfurter Verkehrsdezernats. Der Bundesrat entschied im Februar, das freie Parken der Scooter auf Gehwegen nicht zu begrenzen.

In Hessen bestehen bisher vor allem freiwillige Vereinbarungen zu E-Scootern. Die Stadt Wiesbaden hat nach eigenen Angaben zum Beispiel ein Merkblatt für die Anbietenden von Verleihsystemen erstellt, das diese bei Betriebsbeginn unterzeichnen. „Dort ist festgehalten, dass bei der Aufstellung der E-Tretroller Restgehwegbreiten eingehalten werden und Behinderungen vermieden werden müssen.“ Wiesbaden prüfe außerdem eine Obergrenze für E-Tretroller im Innenstadtbereich.

Wo und von wem dürfen E-Scooter gefahren werden?

Auch wenn das Abstellen von E-Scootern in Frankfurt nicht klar geregelt ist – ein rechtsfreier Raum ist der Umgang mit den Rollern keinesfalls. Nur wer über 14 Jahre alt ist, darf die E-Scooter laut dem Verkehrsclub ADAC auf Radwegen, Radfahrstreifen und in Fahrradstraßen bedienen. Wenn eine Fahrerin oder ein Fahrer nicht auf solche ausweichen kann, dann dürfe sie oder er auch die Fahrbahn benutzen. Auf Gehwegen, in Fußgängerzonen und entgegen der Fahrtrichtung von Einbahnstraßen ist die Fahrt allerdings verboten und kann mit einem Bußgeld von 55 Euro belegt werden. Ist die Fahrerin oder der Fahrer zusätzlich in eine Sachbeschädigung mit dem E-Scooter verwickelt, kostet die Fahrt auf dem Gehweg 100 Euro.

Richtig teuer kann eine betrunkene Fahrt auf dem E-Scooter werden. Es gelten dieselben Grenzwerte wie beim Autofahren: Zwischen 0,5 und 1,09 Promille begeht man eine Ordnungswidrigkeit. Die kostet in den meisten Fällen 500 Euro, dazu kommen einen Monat Fahrverbot und zwei Punkte in Flensburg. Wird ein Fahrer ab einem Alkoholwert von 0,3 Promille auffällig, kann dies sogar als Straftat gewertet werden. (Von Sebastian Richter mit dpa)

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