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Verharmlosung der SED-Diktatur? Heftige Kritik für Rewe-Produkte

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Von: Constantin Hoppe

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Ostalgie oder Verharmlosung von DDR-Unrecht? Die Supermarktkette Rewe bietet „DDR-Nostalgieprodukte“ zum Verkauf und erntet dafür viel Kritik.

Kassel – Konserven im DDR-Dekor samt Hammer und Zirkel: Mit DDR-Nostalgieprodukten im Handel wird aus Sicht der Bundesstiftung Aufarbeitung die SED-Diktatur verharmlost. Die Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur beklagt in einer Pressemitteilung die Geschichtslosigkeit der Supermarktkette Rewe.

Wie Stiftungsdirektorin Anna Kaminsky mitteilte, böten ostdeutschen Supermärkte des Handelsriesen „Konserven im DDR-Dekor samt Hammer und Zirkel“ an. Erhältlich sind Produkte wie Soljanka und Jagdwurst auch in spezialisierten Online-Shops, bei Verkaufsmessen und auf großen Online-Marktplätzen.

Original Schulküche Tomatensoße mit Jagdwurst
Wegen Konservendosen mit DDR-Optik steht die Supermarktkette Rewe derzeit in der Kritik. (Symbolbild) © Imago

„Geschichtslosigkeit“: Bundestiftung kritisiert Rewe wegen Vermarktung von DDR-Produkten

Als eigentliches Problem sieht die Stiftung dabei die Gestaltung der Konservendosen. Kaminsky erinnerte daran, dass das DDR-Staatswappen mit Hammer und Zirkel im Ährenkranz das Symbol der SED-Diktatur sei. Mit einer Vermarktung von Produkten in der genannten Optik, verharmlose Rewe das Unrecht der kommunistischen Diktatur.

Sowohl auf Facebook als auch Twitter reagieren die User zweigeteilter Meinung. Viele stimmen der Kritik zu - bezeichnen die Produkte als „abscheulich“, „unerträgliche Verharmlosung“ der DDR-Zeit und „diesen geschichtsvergessenen Ostalgie-Kitsch“ als „ohnehin gruselig“. „Ich denke, ostdeutsche Spezialitäten könnte man auch ohne Halstuch und NVA-Helm vermarkten“, schreibt ein Kommentator zudem. Andere wiederum können die Diskussion um das Thema nicht nachvollziehen. „Habt ihr keine anderen Probleme?“, heißt es etwa. Oder: „Ihr solltet euch um die jetzigen Probleme kümmern. Da gibt es genug zu tun, als um solchen Blödsinn.“

Rewe verweist dagegen auf die Hersteller der Konserven und Kundenwünsche: Die Märkte führten die Produkte auf Wunsch der Kundschaft. In den ostdeutschen Bundesländern sei die Nachfrage nach Produkten und Rezepturen aus der Vorwendezeit nach wie vor ausgeprägt. „Verpackung und Produktaufmachung“ lägen „im Verantwortungsbereich des Inverkehrbringers“, erklärte Rewe in einer Stellungnahme zu den Vorwürfen.

Der Rewe-Konzern
Gründung1927
HauptsitzKöln
Zahl der Mitarbeiterrund 140.000
BrancheEinzelhandel

Kritik wegen DDR-Produkten: Rewe sieht Hersteller und Kundschaft in der Pflicht

„Die Antwort Rewes ist Ausdruck von Geschichtslosigkeit, die fassungslos macht, weil sich der Konzern vor jeder Verantwortung für sein Sortiment drückt“, so die Direktorin der Bundesstiftung. „Wenn der zweitgrößte Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland DDR-Nostalgieprodukte allein mit Kundenwünschen und der Rechtslage rechtfertigt, sind nicht die Konservendosen der Skandal, sondern die Haltung des Konzerns!“

Es müsse zum erinnerungskulturellen Konsens des vereinten Deutschlands gehören, das Unrecht der kommunistischen Diktatur nicht zu verharmlosen und der Opfer des SED-Regimes würdevoll zu gedenken.

Die Bundesstiftung Aufarbeitung arbeitet die Geschichte der SED-Diktatur auf und hat den Auftrag, den Prozess der Deutschen Einheit zu begleiten. Kaminsky erinnerte daran, dass das DDR-Staatswappen mit Hammer und Zirkel im Ährenkranz das Symbol der SED-Diktatur sei. (con)

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