Volkswagen will Europcar zurückkaufen

  • Panagiotis Koutoumanos
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Angeschlagenem Autovermieter ist das Übernahme-Angebot zu niedrig

Frankfurt. Die Analysten zeigten sich begeistert: "Volkswagen hat einmal etwas richtig gemacht und Europcar clever auf dem Peak verkauft. Das ist ein gutes Geschäft für den VW-Konzern", sagte beispielsweise Albrecht Denninghoff von der HypoVereinsank. Im März 2006 war das, als die Wolfsburger Europas größten Autovermieter sieben Jahre nach der Übernahme wieder losschlugen. Für 3,32 Milliarden Euro ging Europcar an den französischen Finanzinvestor Eurazeo. Davon entfielen zwar 2,06 Milliarden Euro auf die Übernahme von Schulden. Dennoch galt der erzielte Preis als sehr gut. Zumal Volkswagen seinerzeit dringend Geld brauchte, um seine angeschlagene Kernmarke zu sanieren. Da waren die 1,26 Milliarden Euro, die in die Konzernkasse flossen, höchst willkommen. Und dass der Automobilbauer sich 'mal zu einem Mobilitätsdienstleister weiterentwickeln müsste, der die Europcar-Stationen gut gebrauchen könnte, ahnte damals niemand.

Mobilitätsdienste kommen nicht voran

Inzwischen betreibt Volkswagen einen voll elektrischen Free Floating Carsharing-Dienst namens "WeShare" sowie einen Sammeltaxi-Anbieter mit dem Titel "Moia", der im Gegensatz zu WeShare mit fixen Haltepunkten agiert. Beide tun sich nicht nur wegen der Corona-Pandemie sehr schwer. Die Stationen und das Vertriebsnetz eines großen europäischen Autovermieters könnten diesen Diensten, die bislang auf Berlin und Hamburg bzw. Hamburg und Hannover beschränkt sind, einen ordentlichen Schub verleihen.

Und so wendet sich Volkswagen erneut dem französischen Autovermieter Europcar zu, dessen größter Einzelmarkt Deutschland ist. Wie die Wolfsburger gestern bekanntgaben, wollen sie Europcar nun zusammen mit dem britischen Finanzinvestoren Attestor und dem niederländischen Handelsunternehmen Pon Holdings mehrheitlich übernehmen. Attestor ist bereits an Europcar beteiligt und hat hierzulande im Mai Aufsehen erregt, als er ankündigte, 51 Prozent an der Notleidenden Condor zu übernehmen; Pon Holdings ist der offizielle Importeur von Volkswagen in den Niederlanden

Ein Angebot hat das Konsortium den Eigentümern von Europcar bereits unterbreitet: 44 Cent pro Aktie habe man geboten, heißt es in Wolfsburg. Das entspräche einem Kaufpreis von rund 2,2 Milliarden Euro. Aber Europcar hat abgelehnt, wie der Autovermieter selbst erklärt hat. "Nachdem wir das Angebot gründlich geprüft haben, sind wir zu dem Schluss gekommen, dass die 44 Cent pro Aktie nicht dem vollen Wert und dem Wertschöpfungspotenzial des Unternehmens entsprechen", teilte der Vorstand in Paris mit.

Gemessen am Europcar Schlusskurs vom Dienstag entsprechen die 44 Cent einem Aufschlag von zwölf Prozent. Nach der offiziellen Bestätigung der Übernahmepläne legte die an der Euronext Paris notierte Aktie am Donnerstag um knapp 13 Prozent auf 48,6 Cent zu. Der Finanzmarkt rechnet also mit einem zweiten, höheren Angebot. Dafür spricht zumindest, dass die Aktie des Autovermieters vom Ausbruch der Corona-Krise bis zum Dienstag rund 83 Prozent verloren hat. Ob VW und seine Partner tatsächlich zu einem neuen Angebot bereit sind, blieb gestern unklar. Die Übernahme von Europcar sei eine von mehreren Möglichkeiten, um die Unternehmenspläne in Sachen Mobilität zu stützen, hieß es dazu in Wolfsburg. Eine Möglichkeit, die VW dem Vernehmen nach bereits im Juni vergangenen Jahres ausgelotet hatte. Damals habe der Autobauer bereits Einblick in die Bücher der Franzosen erhalten, verlautete aus Branchenkreisen.

Ex-Anleihen-Gläubiger kontrollieren Europcar

Viel Positives werden die Wolfsburger darin nicht gefunden haben. Wie viele andere Autovermieter hat auch Europcar sehr unter der Corona-Pandemie gelitten. Im vergangenen Jahr schrumpfte der Umsatz um 45 Prozent auf 1,76 Milliarden Euro. Und trotz deutlicher Kostensenkungen entstand unterm Strich ein Verlust von 642,9 Millionen Euro - nach einem Nettogewinn von 38 Millionen Euro im Jahr zuvor. Die Nettoverbindlichkeiten stiegen von 880 Millionen auf 1,43 Milliarden Euro.

So musste das Unternehmen im Dezember in Frankreich ein Schutzschirm-Verfahren beantragen. Im November hatte es sich mit seinen Anleihen-Gläubigern darauf geeinigt, den Großteil seiner Schulden in Aktien umzuwandeln. Die Folge: Das Unternehmen wird seit Februar von einer Gruppe von Beteiligungsfirmen kontrolliert - allen voran Anchorage Capital Partners, die 28,1 Prozent der Anteile halten, sowie Marathon Asset Management mit 13,1 Prozent der Anteile. Dahinter folgt mit 12,0 Prozent Attestor, der zusammen mit VW und Pon Holdings den Autovermieter nun übernehmen will.

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