Volkswagen-Zentrale in Wolfsburg: Der größte Autobauer der Welt macht eine traditionsreiche Abteilung dicht.
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Volkswagen-Zentrale in Wolfsburg: Der größte Autobauer der Welt macht eine traditionsreiche Abteilung dicht.

Nach über 50 Jahren

VW: Autobauer legt Vollbremsung hin – Konzern macht traditionsreiche Abteilung dicht

  • Thomas Schmidtutz
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Volkswagen will sich mit seiner Kernmarke VW aus dem Rennsport zurückziehen. Die Konzerntochter Audi verfolgt eine andere Strategie.

  • VW-Chef Herbert Diess drückt bei der Neuausrichtung des Konzerns in Richtung E-Mobilität aufs Tempo.
  • Allein in den kommenden fünf Jahren wollen die Wolfsburger rund 35 Milliarden Euro in den Ausbau ihrer Stromer-Flotte stecken.
  • Das Motorsport-Engagement passt da nicht so richtig ins Konzept.

München - Der Wolfsburger Autoriese Volkswagen* zieht sich vollständig aus dem Rennsport zurück. Man wolle „die Kräfte für die Transformation in das mobile Elektrozeitalter bündeln“, teilte das Unternehmen jetzt mit. Nach den Plänen solle das Engagement „voraussichtlich im ersten Quartal 2021 beendet werden“, sagte ein VW-Sprecher am Donnerstag gegenüber Merkur.de*. Die rund 170 Mitarbeiter der Volkswagen Motorsport GmbH in Hannover sollen andere Stellen innerhalb des Konzerns angeboten bekommen.

Video: Erst im vergangenen Jahr holte der ID.R den Rekord auf dem Nürburgring

Damit ist auch ein mögliches Formel 1-Engagement von VW Geschichte. In den vergangenen Jahren hatte es wiederholt Spekulationen gegeben, die Wolfsburger könnten in der Königsklasse ein eigenes Team an den Start schicken. Erst im August hatten die Mutmaßungen neue Nahrung erhalten. „Die Formel 1 wird CO2-neutral, indem sie synthetische Kraftstoffe nutzen wird“, hatte VW-Chef Herbert Diess* auf der Karriere-Plattform LinkedIn geschrieben. Die Formel 1 sei „viel aufregender, spaßiger, mehr Rennsport und ein besserer Technik-Wettkampf als die Formel E, die in Stadtzentren ein paar Runden im Spielmodus dreht.“

VW: PS-Boliden passen nicht zur Neuausrichtung

Der endgültige Motorsport-Ausstieg des weltgrößten Autobauers kommt für Beobachter dennoch nicht völlig überraschend. Bereits in den vergangenen Jahren hatte VW kein eigenes Werksteam mehr an den Start geschickt. Offenbar passen die PS-Boliden nicht mehr zur Neuausrichtung des Konzerns Richtung E-Mobilität. Stattdessen hatten sich die Mitarbeiter auf den Bau von Rennsport-Fahrzeugen für Kunden konzentriert.

Die VW-Rennsport-Tochter blickt auf eine über 50jährige Geschichte zurück. Zu den größten Erfolgen gehören drei Siege bei der legendären Rallye Dakar sowie vier Rallye-Weltmeister-Titel. Zuletzt hatte sich das Unternehmen mit dem E-Rennwagen ID.R gleich mehrere Rekorde gesichert, darunter die Bestzeit beim Pikes-Peak-Bergrennen in Colorado sowie die Bestzeit auf der legendären Nordschleife des Nürburgrings.

VW Polo: Die VW-Motorsport-Abteilung ist jahrelang bei der Rallye-Weltmeisterschaft auf Titeljagd gegangen.

Auch bei der VW-Tochter Audi wird das Motorsport-Engagement neu geordnet. Im April hatten die Ingolstädter angekündigt, sich aus der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) zurückzuziehen. Auch der Formel E kehrt Audi den Rücken. Stattdessen will die Marke mit den vier Ringen 2022 bei der Rallye Dakar antreten – mit einem E-Auto. *Merkur.de und tz.de sind Teil des bundesweiten Ippen Digital Redaktionsnetzwerks.

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