Herausforderer: VW-Chef Herbert Diess hat Tesla-Boss Elon Musk via Twitter herausgefordert und gleich mal Bekanntschaft gemacht mit der Diskussionskultur auf dem Kurznachrichtendienst.
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Herausforderer: VW-Chef Herbert Diess hat Tesla-Boss Elon Musk via Twitter herausgefordert und dabei Bekanntschaft gemacht mit der unverblümten Diskussionskultur auf dem Kurznachrichtendienst.

Harte Kritik

VW-Chef Diess macht Elon Musk mutige Ansage - User lästern: „Lass Hirn regnen, peinlich, Diess dissed“

  • Thomas Schmidtutz
    vonThomas Schmidtutz
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Nach LinkedIn will VW-Chef Herbert Diess jetzt auch Twitter erobern. Zur Premiere knöpft sich Diess Tesla-Boss Elon Musk vor. Doch das User-Echo fällt anders aus, als es der machtbewusste Bayer gewohnt ist.

  • VW*-Chef Herbert Diess hat dem Konzern einen umfassenden Umbau in Richtung E-Mobilität verordnet.
  • Doch der Weg ist steinig, die Widerstände hoch.
  • Kein Wunder, dass Diess mehr Wert auf interne und externe Kommunikation legt als viele andere Dax-Bosse.

München - Wenn es um die Kommunikation via soziale Netzwerke geht, macht VW-Chef Herbert Diess* so schnell niemand was vor. Im vergangenen Sommer sorgte der Bayer mit Berichten seiner Urlaubsfahrt im voll-elektrischen ID.3 auf LinkedIn und im Netz für großes Aufsehen. Als der VW-Boss im vergangenen Jahr auf LinkedIn die Marke von 100.000 Followern knackte, bedankte er sich artig bei seinen Fans. Und im November war Diess sogar mit einem eigenen Video zur Stelle, nachdem ihn LinkedIn als Top Voice 2020 auszeichnete. 

Jetzt nimmt sich der Ingenieur mit Twitter das nächste soziale Netzwerk vor – und zeigt direkt zum Start, dass er weiß, wie man Reichweite macht. Statt sich mit einem schnöden Post zu aktuellen Entwicklungen wie etwa den erneuten Lockdown zu melden, macht Diess einem der prominentesten User des Kurznachrichtendiensts eine Ansage.

„Hallo Twitter“, schreibt der VW-Boss in seinem Tweet Nummer 1, er sei auf der Plattform, um „etwas zu bewegen, vor allem bei politischen Themen“. Und natürlich, um „einige Eurer Marktanteile zu bekommen, Elon Musk“, heißt es in dem angriffslustigen Tweet an den Tesla*-Chef. Mit dem ID.3 und dem e-tron von Audi* habe man bereits „die ersten Märkte in Europa gewonnen“. Er freue sich „auf produktive Diskussionen“.

Gemessen an den ersten Diskussionsbeiträgen wird sich der VW-Boss bei der Eroberung des Twitter-Universums künftig wohl an einen raueren Umgangston gewöhnen müssen. Während auf LinkedIn eher das gepflegte Schrift-Deutsch der späten 90er regiert („Sehr geehrter Herr Diess“), geht es bei dem Kurznachrichten-Dienst direkt zur Sache. Sie sei „gespannt darauf zu sehen, ob er (Herbert Diess) mit Elon“ „nur Click-Baiting“ betreibe, „um seine Follower-Basis aufzubauen“, oder ob Diess auch interessante Inhalte liefere, zwitschert eine kanadische Userin. Musk* gilt als Twitter-Fan und hat mit rund 42,7 Millionen Followern einen der größten Accounts.

Ähnlich hart wie die Kanadierin gehen auch andere Twitter-User Diess zur Premiere an. Die deutsche Autoindustrie, behauptet ein anderer, habe die Elektromobilität „wissentlich und absichtlich blockiert“ und auch „nichts gelernt, wie das Beispiel Tiguan R mit seinen 320 PS“ zeige. Ein solches Auto brauche „kein Mensch – Herr, lass Hirn regnen“, schreibt der User.

Auch andere Nutzer lassen auf dem Kurznachrichtendienst ordentlich Dampf ab. „Bei allem Respekt - statt zu twittern“, solle Diess lieber die Qualität des ID.3 verbessern, heißt es in einem Tweet. Das Auto sei das „schlechteste, das VW jemals gemacht“ habe, das Verhältnis zwischen Preis und Qualität sei „peinlich“.

Dazu kassiert Diess haufenweise Prügel für Dieselgate, die jüngsten Golf-Rückrufe* oder das umstrittenen VW-Werk in Xingjiang im Westen Chinas. Berichten zufolge soll China rund um das Werk der Wolfsburger eine Million Uiguren in Arbeitslagern und Gefängnissen festhalten.

Immerhin: Für seinen Umbau des Konzerns in Richtung E-Mobilität erhält Diess von der Community auch Beifall. Seine Strategie sei „großartig“, sein Mut „herausragend“ – auch wenn manches Lob ein wenig vergiftet klingt: „Meine Empfehlung wäre, dass Herr Diess sich ein Unternehmen sucht, in dem ihn der Aufsichtsrat stärker unterstützt“. Dann, wortspielt ein User, „würde Herr Diess womöglich auch nicht mehr so gedisst“ wie bei Volkswagen.

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