+
Für Brot, Käse, Gurke: Sabrina Kratz, Lotte Schöpf und Omar Rock (von links) zeigen ihre Produkte.

Plastikfreie Verpackung

Mit Wachspapier zum Erfolg

  • schließen

Mit einer ökologischen Alternative zur Frischhaltefolie feiert das Frankfurter Start-Up „Wildwaxtuch“ erste Erfolge. Dabei sind die bunten Bienenwachstücher nicht nur langlebig, wiederverwendbar und nachhaltig, sondern auch ungemein praktisch.

Was tun mit all den Resten im Kühlschrank? Dem angeschnittenen Gemüse und den noch halbvollen Salatschüsseln? In Plastikboxen wird Brot schnell trocken und Obst schimmelig und wem an einem nachhaltigen Lebensstil gelegen ist, der lässt die Finger ohnehin von Plastikfolien Ein junges Frankfurter Start-Up möchte diese Alltagsprobleme mit einem ebenso nachhaltigen wie praktischen Produkt lösen: Mit Wachstüchern.

Dabei ist diese Idee nicht wirklich neu: „Für mich war es in meiner Kindheit normal, dass wir überall Bienenwachstücher hatten“, erzählt Gründerin Sabrina Kratz. Die Liebe zum ökologischen Detail macht aus der altbewährten Idee ein innovatives Produkt der Wildwax Tuch GbR.

23,50 Euro kostet ein Set mit Tüchern in drei Größen. Zwei Jahre, so versprechen die drei Gründer, könne eines der abwaschbaren Tücher treue Dienste in der Küche verrichten. Daran gemessen sei der Preis sogar günstig, betonen die Öko-Unternehmer. Damit das Tuch Perfektion erreicht, haben die drei viel getüftelt. Allen voran Drucktechniker Omar Rock und Biologin Lotte Schöpf haben viel ausprobiert, ehe das Produkt seine jetzige Qualität und Funktionalität hatte (siehe Zusatztext). „Wir sind das perfekte Team“, lobt Lotte Schöpf. Seit 2012 kennen sich die drei, deren Kinder gemeinsam auf die Aktive Schule in Frankfurt gehen.

Dort nahm die Firmengeschichte auch vor Jahren ihren Anfang: „Eines Tages kam Sabrina mit einem Wachstuch in die Schule“, erinnert sich Lotte Schöpf. Genervt von den zahlreichen Plastikverpackungen bei ihrer Arbeit im Reformhaus, hatte Kratz Bienenwachstücher im eigenen Backofen hergestellt. Das war zwar nicht sehr professionell, aber dennoch erfolgreich. Denn wo sie auch hinkam und ein Lebensmittel in ihren Tüchern präsentierte, stieß sie damit auf große Neugier und Begeisterung.

Schöpf – zur damaligen Zeit nach eigener Aussage Biologin auf Sinnsuche – und Drucktechniker Rock betrachteten das Produkt sofort mit eigenen Augen. Welche Inhaltsstoffe könnten das Produkt noch besser machen, fragte sich die Biologin. Mit welche Produktionsverfahren könnten die Tücher effektiver hergestellt werden, fragte sich der Techniker.

Ein kongeniales Team

hatte sich gefunden. Beflügelt von der großen Nachfrage unter Freunden und Verwandten, gründeten die drei schließlich im August vergangenen Jahres ihre Firma.

Inzwischen stapeln sich die Tücher kistenweise in den heimischen Wohnzimmern. Ihre Tücher vertreiben sie auf Märkten, in einigen kleinen Läden und Online. Zwei Mikrokredite von Privatinvestoren halfen in der Startphase, doch schon jetzt ist das Start-Up in den schwarzen Zahlen und arbeitet an der ersten Expansion. So renovieren die drei derzeit eine eigene Werkstatt, in der Produktion, Lager und Vertrieb an einem Ort zusammen laufen.

„Das das alles so gut läuft, hat uns selbst überrascht“, gibt Kratz freudestrahlend zu. Bis die Renovierung abgeschlossen ist, müssen die drei notgedrungen darauf verzichten, weitere Händler zu akquirieren. Ideen in welchen Geschäften sich die Tücher noch vermarkten ließen, haben die drei jedoch ohne Ende, betonen sie.

Vor allem Familien und nachhaltig denkende Studenten, zählen zur Zielgruppe von Wildwaxtüchern: „Leute mit Stil, die ihr Essen gerne hübsch einpacken“, beschreibt Kratz die junge Zielgruppe. Aber auch viele Ältere nutzen die Produkte: „Zum Wachstuch zu greifen, ist für diese Generation einfach logisch“, ergänzt Schöpf.

Ebenso logisch ist es für die drei Gründer, in ihrem Alltag auf Plastik zu verzichten: „Die Menge an Müll die wir Menschen produzieren, hat unglaubliche Dimensionen angenommen“, betont Omar Rock. Die drei sind sich einig: Wenn sie ihren Kindern noch einen lebenswerten Planeten hinterlassen wollen, muss jetzt gehandelt werden. „Wir sind so privilegiert, dass wir Möglichkeiten haben, etwas dagegen zu tun“, betont Schöpf. So stimmt es die drei stolz, mit ihrem Start-Up einen Beitrag zu einer möglichen Welt ohne Plastikmüll zu leisten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare