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Völlig neue Konzepte gibt es auch für ein mögliches Ruhe- und Entspannungsabteil.

Verkehr

Die Waggons der Zukunft sollen mehr Komfort bieten

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Einer der absoluten Höhepunkte auf der am kommenden Dienstag in Berlin startenden InnoTrans, der internationalen Leitmesse für Verkehrstechnik, kommt direkt aus dem Rhein-Main-Gebiet , und zwar aus Oberursel. Ein anderer vielbeachteter Messe-Star wird in nicht allzu ferner Zukunft auf den Schienen im Taunus unterwegs sein.

Jeden Tag legen die Deutschen sage und schreibe 3,2 Milliarden Kilometer auf Straßen und Schienen zurück. Das geht aus der vom Bundesverkehrsministerium in Auftrag gegebenen aktuellen Studie „Mobilität in Deutschland“ hervor.

Das Auto bleibt zwar demnach weiterhin das dominierende Verkehrsmittel, verliert aber Marktanteile. Größter Gewinner ist der öffentliche Verkehr mit Bus und Bahn. Auf der in der kommenden Woche in Berlin (18. September) startenden internationalen Leitmesse für Verkehrstechnik InnoTrans werden rund 3000 Aussteller aus 60 Ländern Antworten auf die großen Herausforderungen im ÖPNV geben müssen.

„In Zeiten zunehmender Mobilität wird auch die Gestaltung von Zügen zum großen Thema“, erklärt der Veranstalter. „Die Inneneinrichtung soll nicht nur langlebig, sondern auch formschön und ansprechend sein. Sie muss den wachsenden Ansprüchen der Kunden – egal ob Pendler, Kleinfamilie oder Senioren – gerecht werden.“

Neben Loks, Triebfahrzeugen und rollendem Wagenmaterial widmet sich mit „Interiors“ eines der fünf großen Themensegmente bei der InnoTrans der Innenausstattung von Bussen und Bahnen. Einen Blick in die Zukunft in Fragen der Ausstattungskonzepte von Reisezugwagen gab es in Oberursel zu sehen.

Die Deutsche Bahn (DB) hatte dort in einer Industriehalle ihren „Ideenzug“ der Öffentlichkeit präsentiert. Auch einer Lesergruppe dieser Zeitung bot sich die Gelegenheit, die Konzeptstudie für den Regionalverkehr auf Schienen zu bestaunen. Dieser Zug der Zukunft wurde nun in den vergangenen Wochen aus dem Taunus nach Berlin transportiert.

Kurz hinter dem Eingang der S-Bahn-Station Messe-Süd werden die Besucher des Berliner Messegeländes bei der InnoTrans unweigerlich auf die ungewöhnliche Konzeptstudie stoßen. In dem Nachbau eines Doppelstock-Reisezugwagens im Maßstab eins zu eins zeigt die DB 22 neue Service-Angebote, die das Pendeln im ÖPNV attraktiver machen sollen.

Auch aus den Rückmeldungen der Leser unserer Zeitung will der Konzern Rückschlüsse auf die Bedürfnisse der Pendler ziehen. „Wir stehen vor einem Quantensprung im Zugverkehr“, erklärt DB-Projektleiter Carsten Hutzler den Grund für die Entwicklung des Ideenzuges. „Das autonom fahrende Auto wird kommen. Nur wann, ist noch völlig offen. Bis dahin wollen wir Pendlern im ÖPNV andere Angebote machen, die im Auto nicht möglich sind.“

Neben einem guten Fahrplanangebot im Regionalverkehr wolle der Konzern durch neue Angebote Pendlern den Umstieg vom Auto auf den ÖPNV schmackhaft machen, sagt Hutzler. Deshalb testet die DB auch für den Regionalverkehr mit dem Ideenzug neue gastronomische Konzepte, neue Sitzwelten sowie neue Abteile für bestimmte Zielgruppen (Eltern mit Kindern,

Arbeits- und Fitnessabteil

e).

Müde Reisende ziehen sich in eine Nische für ein Nickerchen, Neudeutsch: „Powernapping“, zurück. Im „Premium-Class“-Modul behalten die Sitze die bevorzugte individuelle Einstellung der Dauerpendler mit Reservierung. Für Unterhaltung unterwegs sorgt hier zudem ein Bildschirm am Platz.

Für das Kinderparadies wurde eine Häuserlandschaft entwickelt, in der sich die Kleinen auf zwei Ebenen austoben können, ergänzt durch einen digitalen Spieltisch, so eine Sprecherin. „Das Modul ,Gaming‘ wurde so optimiert, dass Fahrgäste an ihren Plätzen Playstation spielen und online shoppen können.“

„Die Erkenntnisse aus dem Ideenzug werden nicht erst in zehn oder 15 Jahren umgesetzt, sondern schon viel früher“, verspricht Hutzler. Die DB Regio geht davon aus, dass die Verkehrsverbünde bei ihren künftigen Ausschreibungen im Nahverkehr vergleichbare Funktionsabteile für den Regionalverkehr von den beauftragten Firmen fordern werden.

Ein weiterer Star der InnoTrans ist der Coradia iLint als Vorzeigeprojekt für alternative Antriebstechnik auf Schienen. Die Triebfahrzeuge mit Brennstoffzellentechnik, die ab Dezember 2022 die Diesel-Triebzüge im Taunus ersetzen sollen, haben jetzt die Zulassung vom Eisenbahn-Bundesamt für den Passagierverkehr auf deutschen Schienen erhalten.

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