Aufstiegschancen

Die Welt der Maler wird immer bunter

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Händeringend suchen Maler- und Lackierer-Betriebe Auszubildende. Kaum ein Schulabgänger weiß um die Vielfalt und die guten Aufstiegschancen in dem Beruf.

Das Berufsbild des Malers ist facettenreicher als jeder Deckfarbkasten. Es gehört weit mehr zum Job, als einfach nur den Pinsel zu schwingen. Seit der Erneuerung der Handwerksordnung im Jahr 1998 zählen Putz- und Stuckarbeiten aller Art, Trockenausbau, Wärmedämm-Verbundsysteme, textile Wandbespannungen sowie die Reparatur von Karosserien und Fahrzeugen zum Handwerk. „Einst existierte sogar der Job des Tapezierers noch losgelöst von dem des Malers“, erinnert sich Felix Diemerling, Frankfurter Regionalmeister der Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main. Heute sei das undenkbar, der Maler „Mädchen für alles“. „Eigentlich ist unsere Berufsbezeichnung irreführend“, so der Experte. „Angemessener wäre der Begriff Oberflächentechniker“. Keine Frage, das Metier des Malers wird immer bunter – die Berufseinsteiger wiederum immer blasser.

„Die Qualifikationen der jungen Menschen, die sich auf Azubi-Plätze bewerben, sind zum Teil katastrophal“, stellt Felix Diemerling fest. Von den 121 Lehrlingen im Rhein-Main-Gebiet, die zuletzt ihre Prüfungen abgelegt haben, konnten Ende Juli nur 98 ihren Gesellenbrief entgegennehmen. Diemerling: „Die Theorie und Praxisprüfungen sind durchaus eine Herausforderung.“

Jedes Jahr erhalten im Rhein-Main-Gebiet zwischen 110 und 130 Bewerber eine Lehrstelle im Bereich Malerei. Doch seit geraumer Zeit sinkt die Zahl der Bewerber. „Die Ausbildung beginnt für gewöhnlich bereits im August, spätestens im September“, gibt Diemerling zu bedenken. „Bisher konnten wir jedoch erst 60 Zusagen erteilen. In allen Bereichen sind noch Ausbildungsplätze frei.“ Bundesweit gibt es bei der traditionellen Lehre drei Fachrichtungen: „Kirchenmalerei und Denkmalpflege“, „Instandhaltung und Gestaltung“ sowie „Bauten und Korrosionsschutz“.

Im Rhein-Main-Gebiet kam mit dem Zweig „Ausbautechnik und Oberflächengestaltung“ 2013 noch eine Fachrichtung hinzu. „Dabei handelt es sich um ein bundesweit einzigartiges Pilotprojekt in der Maler- und Lackiererausbildung“, erklärt Ingmar Niehus. Er ist in Frankfurt, Offenbach und Hanau Niederlassungsleiter der Firma Heinrich Schmid, dem größten Malerbetrieb deutschlandweit. In seinem Unternehmen herrschte Bedarf nach Handwerkern mit besonderen Kenntnissen in jenen Bereichen, auf die sich nun der neue Ausbildungszweig fokussiert. So entschloss sich die Firmenleitung, das Projekt zu unterstützen und gleich zehn junge Gesellen in besagtem Bereich zu unterweisen. Berufsschulpartner ist die August-Bebel-Schule in Offenbach. Die ersten 16 Auszubildenden aus Offenbacher Malerbetrieben haben die Ausbildung kürzlich abgeschlossen. „Ich bleibe zunächst bei der Firma Schmid“, erklärt Jozef Timocka. Er hat die Prüfung mit der Note 1,5 am besten abgeschlossen.

Das junge Nachwuchstalent ist zufällig in das Unternehmen Schmid gestolpert. „Als ich mich nach einer Ausbildung umschaute, wusste ich ursprünglich nur, dass ich später einmal einen Handwerksberuf ausüben wollte“, erklärt Timocka. „Im Internet bin ich auf die Azubi-Stelle aufmerksam geworden und habe mich einfach beworben.“ Eine glückliche Fügung, eine gute Entscheidung – mittlerweile ist die Malerei für ihn Beruf und Hobby zugleich: „Die Ausbildung war auf ganzer Linie toll“, erklärt er. Besonders die praktischen Erfahrungen auf der Baustelle hätten ihm Spaß gemacht.

Nicht alle sehen das so wie der begabte Timocka. „Immer weniger Menschen interessieren sich für praktische Ausbildungsberufe“, erklärt Niehus. Er spricht von einem

Akademisierungswahn

. Die meisten zöge es von der Schulbank direkt in den Uni-Hörsaal. Um ihnen eine Alternative zu bieten, habe die Innung vor wenigen Jahren einen dualen Studiengang eingeführt. „Doch auch hier sind für dieses Jahr noch zahlreiche Stellen unbesetzt.“ Vielen jungen Menschen sei nicht bewusst, welche Chancen ein klassischer Ausbildungsberuf bereithalte. „Zunächst verdient der Azubi während der Ausbildung nicht viel“, betont Diemerling. (Erstes Ausbildungsjahr: 510 Euro, drittes: 690 Euro). Aber er kenne viele Juristen und Architekten. „Die haben viele Jahre studiert. Und doch sticht sie eine Führungskraft im Malerbetrieb locker aus, wenn es ums Gehalt geht. Um an deren Lohn heranzukommen muss sich ein Akademiker schon strecken.“

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