Gesetz bremst Neugeschäft aus

Weniger Baukredite bei Sparda-Bank Hessen

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Die Sparda-Bank Hessen legt bei der Zahl der Girokonten und beim Ergebnis weiter zu. Ein im März 2016 in Kraft getretenes Gesetz bremst aber neue Baufinanzierungen aus.

Die strengeren gesetzlichen Vorgaben für die Vergabe von Darlehen an Häuslebauer haben auch bei der Sparda-Bank Hessen, dem führenden Baufinanzierer im Bundesland, zu einem deutlichen Rückgang beim Neugeschäft geführt. Es brach im Vorjahr um fast zehn Prozent auf 490 Millionen Euro ein; wegen hoher Sondertilgungen wuchs auch der Kreditbestand nur noch um fünf Prozent auf 2,57 Milliarden. Dabei sorgten der Bauboom im Rhein-Main-Gebiet und die Einführung der 15-jährigen Zinsbindung durchaus für einen Schub. Schärfere, aber unklare Regeln haben aber zu weniger Baukrediten für junge Familien, befristet Beschäftigte oder Rentner geführt, auch bei der Sparda-Bank lähmten die offenen Fragen intern. Nun hat das Bundeskabinett Klarstellungen beschlossen, um die Rechtssicherheit zu erhöhen. „Es ist gut, dass die Politik Hand anlegt – aber es muss noch stärker nachgebessert werden“, sagte Sparda-Bank-Chef Jürgen Weber.

Dagegen konnte die Sparda-Bank Hessen bei ihrem Gratis-Girokonto weiter zulegen: Deren Zahl stieg im Gesamtjahr netto um 6552 (2015: um 6142) auf 273 021 Girokonten. Auch die Kundeneinlagen wuchsen, trotz Nullzins, erneut um 5,7 Prozent. Wettbewerber wie die Postbank (und auch Sparda-Banken anderswo in Deutschland) hatten Kontoführungsgebühren eingeführt, was Weber aber für die Sparda-Bank Hessen ausschloss: „Das machen wir nicht!“ Lediglich beleghafte Überweisungen kosten neuerdings, auch die Schließfachgebühren wurden erhöht. Strafzinsen für Privatkunden plant der Vorstandschef derzeit ebenfalls nicht. Er will sie aber nicht ausschließen, „falls die Zinsen auf diesem Niveau verharren beziehungsweise noch weiter sinken sollten“.

Immerhin konnte das Institut (638 Mitarbeiter, knapp 390 000 Kunden) das Zinsergebnis um 5,9 Prozent verbessern; die Lasten durch das Niedrigzins-Umfeld konnten durch Umschichtungen bei Staatsanleihen und gute Renditen mit Immobilienfonds mehr als ausgeglichen werden. Weber: „Manche sagen, unser Geschäftsmodell habe keine Zukunft – das glauben wir nicht. Wir haben auch in einem schwierigen Umfeld ein Ergebnis erarbeitet, das sich sehen lassen kann.“ Dagegen sank das Provisionsergebnis um acht Prozent. Unter dem Strich stieg der Jahresüberschuss um 2,5 Prozent auf 12,4 Millionen Euro. Mit einer Kernkapitalquote von 12,5 Prozent sitzt die Bank auf einem soliden Eigenkapitalpolster.

Die Zahl der Filialen wird dieses Jahr durch eine Schließung in Karben auf 37 sinken (dazu kommen noch 29 SB-Stellen); die Aufgabe weiterer Standorte ist nicht vorgesehen, aber auch keine Neueröffnung. Wegen der zunehmenden Sprengungen von Geldautomaten setzt das genossenschaftliche Institut eher auf die Geldauszahlung in Rewe-Supermärkten.

Neuerdings bietet die Sparda-Bank Hessen auch Girokonten für Gewerbekunden an; das Geschäft ist aber laut Weber „noch im Aufbau“, der Einstieg in den Markt werde sorgfältig vorbereitet. Der Testbetrieb ist allerdings bereits angelaufen, später sollen standardisierte Kredite folgen. „Früher konnten wir einem Handwerksmeister eine Kreissäge für 30 000 Euro nicht finanzieren, sein privates Auto für 60 000 aber schon. Das wollen wir ändern“, begründete der Sparda-Bank-Chef.

Eine weitere Ausweitung des Geschäfts ist dagegen geplatzt: In Österreich scheiterte die geplante Mehrheitsbeteiligung an der Sparda-Bank Austria AG am Preis. „Es wäre ein interessanter Deal gewesen. Der Vorstand hat aber im Dezember davon Abstand genommen“, sagte Weber. Es seien zu viele Entscheider am Tisch gesessen, über die Zeit sei die grenzüberschreitende Beteiligung unrentabel geworden. Dabei hatten sich die Hessen vor allem in Wien lukrative Geschäfte versprochen. Die Sparda-Bank Hessen führt ihre Geschichte auf die 1897 von Mitgliedern des Eisenbahnervereins in Kassel gegründete Spar- und Darlehenskasse zurück; die Bank gehört ihren rund 294 000 Mitgliedern.

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